Singapurs Verteidigungsminister Chan: „Man kann nicht für jede Drohne eine Rakete einsetzen“ – Neue Antworten auf asymmetrische Bedrohungen
Singapurs Verteidigungsminister Ng Eng Chan stellt im Handelsblatt-Interview die zentrale Verteidigungsdilemma der Gegenwart klar: Die Kostenlogik des modernen Krieges hat sich fundamental verschoben. „Man kann nicht für jede Drohne eine Rakete einsetzen“, so Chan wörtlich. Diese Erkenntnis treibt die Suche nach neuen, kosteneffektiven Antworten auf die massenhafte Bedrohung durch günstige Drohnen an, die von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren gleichermaßen eingesetzt werden.
Chan erläutert den strategischen Balanceakt Singapurs zwischen den Großmächten USA und China. Der Stadtstaat, ein wichtiger Rüstungskunde Deutschlands, muss seine Verteidigungsfähigkeiten ständig anpassen, ohne in die geopolitische Konfrontation hineingezogen zu werden. Das Interview deutet an, dass diese Neuausrichtung nicht nur doktrinär, sondern auch beschaffungstechnisch erfolgt. Die klassische Hochtechnologie-Rüstung muss durch Systeme ergänzt werden, die Schwarmangriffen mit preiswerten Mitteln begegnen können.
Die Implikationen sind weitreichend. Für die deutsche Rüstungsindustrie, einen traditionellen Lieferanten Singapurs, bedeutet dies einen möglichen Shift in der Nachfrage – weg von reinen Premium-Plattformen hin zu integrierten Abwehrsystemen gegen asymmetrische Bedrohungen. Auf geopolitischer Ebene unterstreicht Chans Position die Notwendigkeit für mittlere Mächte, eigene, agile Verteidigungskonzepte zu entwickeln, die Unabhängigkeit wahren und gleichzeitig neue Formen der Kriegführung adressieren. Der Druck, kostengünstige Gegenmittel zu finden, wird zum strategischen Imperativ.