EU-Fischer umgehen Thunfisch-Fangquoten durch Umflaggung im Indischen Ozean
Europäische Thunfischfänger unterlaufen systematisch die Schutzmaßnahmen der EU im Indischen Ozean. Während Brüssel die Fangmengen für europäische Unternehmen bewusst reduziert hat, um bedrohte Bestände zu erhalten, zeigt ein neuer Bericht, dass zahlreiche Schiffe ihre Registration in andere Jurisdiktionen verlegt haben. Die Taktik erlaubt es ihnen, weiterhin in denselben Gewässern zu fischen – formal jedoch ohne an die europäischen Beschränkungen gebunden zu sein.
Betroffen sind einem Bericht zufolge vor allem Schiffe, die in Flaggenstaaten wie Mauritius, den Seychellen oder anderen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans registriert sind. Die wirtschaftliche Kontrolle bleibt dabei häufig in europäischer Hand. Die Lücke im Regelwerk nutzt die Tatsache aus, dass EU-Fangquoten nur für Schiffe unter europäischer Flagge gelten. Die Praxis stellt die Wirksamkeit der europäischen Fischereipolitik grundsätzlich infrage und hat nach Angaben der Quelle bereits zu einer messbaren Verschiebung der Fangleistung geführt.
Die Umgehung droht die Bemühungen um eine nachhaltige Bewirtschaftung der Thunfischbestände im Indischen Ozean zu unterminieren. Regionale Fischereiorganisationen wie die IOTC stehen unter Druck, wirksamere Kontrollmechanismen zu entwickeln. EU-Politiker fordern strengere Sorgfaltspflichten für europäische Unternehmen, die in Drittstaaten registrierte Schiffe betreiben. Ohne greifbare Konsequenzen könnten weitere Fischer dem Beispiel folgen – mit potenziell erheblichen Folgen für die Ökosysteme einer der wichtigsten Fangregionen weltweit.