Ökonom Zucman: Einkommensteuer für Superreiche verschwindet – fordert globale Flat-Tax für Milliardäre
An der Spitze der Vermögenspyramide löst sich die Einkommensteuer praktisch in Luft auf. Der renommierte Ökonom Gabriel Zucman legt mit dieser scharfen Analyse den Finger in eine offene Wunde des globalen Steuersystems. Seine Diagnose: Die extrem Reichen – Oligarchen und Milliardäre – entziehen sich durch ein Geflecht aus legalen Optimierungen und internationalen Schlupflöchern nahezu vollständig der persönlichen Einkommensbesteuerung. Der Effekt ist eine massive Schieflage, die Zucman nicht länger hinnehmen will.
Im Gespräch mit dem Handelsblatt verteidigt Zucman konsequent seinen radikalen Lösungsvorschlag: eine globale Flat-Tax für Superreiche. Sein Modell sieht eine niedrige, aber universelle Mindeststeuer auf das gigantische Vermögen der obersten 0,1% vor. Bemerkenswert ist seine Weigerung, Ausnahmen zu gewähren. Selbst als Säule der Wirtschaft gepriesene Familienunternehmer würden von seiner Pauschalsteuer nicht verschont. Für Zucman ist dies eine Frage der Gerechtigkeit und der Systemstabilität, denn wenn die Reichsten keinen Beitrag leisten, untergräbt das die Akzeptanz des gesamten Steuerstaates.
Die Forderung stellt eine direkte Herausforderung an die nationale Souveränität in Steuerfragen dar und zielt auf eine koordinierte, weltweite Antwort. Sie erhöht den politischen Druck auf Regierungen, die mit leeren Kassen kämpfen, und bringt das Thema der extremen Vermögenskonzentration zurück auf die Agenda. Sollte die Debatte an Fahrt gewinnen, könnte sie nicht nur die Steuerpolitik, sondern auch das Machtgefüge zwischen Superreichen und dem demokratischen Staat neu justieren.