ABN Amro-Chefin Bérard warnt: Schattenbanksektor braucht schärfere Aufsicht
Die Vorstandschefin der niederländischen Großbank ABN Amro, Marguerite Bérard, stellt sich öffentlich gegen die unzureichende Regulierung eines wachsenden Finanzsektors. In einem Interview fordert sie eine strengere Überwachung des sogenannten Private-Credit-Sektors – ein Bereich, der oft als Schattenbanksektor bezeichnet wird und bisher weniger strengen Aufsichtsregeln unterliegt als traditionelle Banken. Diese klare Forderung einer etablierten Bankenlenkerin bringt ein lange schwelendes Thema mit erheblichem systemischem Risikopotenzial auf die Agenda.
Bérard positioniert ABN Amro damit als Fürsprecherin für mehr Stabilität im gesamten Finanzsystem. Ihr Argument: Der rasch wachsende Sektor für private Kredite, in dem nicht-bankliche Akteure wie Investmentfonds oder Kreditfonds große Darlehen vergeben, sollte „angemessen beaufsichtigt werden“. Dies ist ein direkter Appell an europäische Regulierungsbehörden wie die EBA und die ECB, ihre Aufsichtsnetze enger zu knüpfen. Die Forderung impliziert, dass die derzeitigen Regelungen möglicherweise nicht mit der Größe und Komplexität dieses Marktes Schritt halten.
Gleichzeitig nutzt Bérard die Plattform für einen weiteren kontroversen Punkt: Sie mahnt mehr Risikobereitschaft in Europa an. Diese Doppelforderung – mehr Kontrolle dort, wo es riskant wird, und mehr Mut dort, wo Europa zurückfällt – zielt auf zwei neuralgische Punkte der europäischen Finanzarchitektur ab. Die Intervention erhöht den politischen Druck auf die Aufseher und stellt die Frage, ob die aktuellen Regeln ausreichen, um eine Krise außerhalb des traditionellen Bankensektors zu verhindern. Die Debatte um die Schattenbanken ist damit zurück auf der Hauptbühne.