Kaffeeindustrie startet Initiative zur Entwaldungs-Transparenz – Reaktion auf EU-Verordnung
Die globale Kaffeeindustrie reagiert auf den wachsenden regulatorischen Druck aus Brüssel: Eine neue Brancheninitiative soll die Entwaldung in Lieferketten sichtbar machen und damit die Einhaltung der EU-Verordnung zur entwaldungsfreien Lieferkette sicherstellen. Die Initiative, getragen von führenden Kaffeherstellern und Importeuren, zielt darauf ab, die Herkunft jedes Kaffeebohnen-Loses präzise nachzuverfolgen und öffentlich zugänglich zu machen.
Hintergrund ist die EU-Verordnung, die ab 2025 in Kraft tritt und Unternehmen verpflichtet, nachzuweisen, dass ihre Produkte nicht von Flächen stammen, die nach 2020 entwaldet wurden. Für die Kaffeebranche, die stark von tropischen Anbauregionen abhängt, bedeutet dies einen massiven Transformationsdruck. Die Initiative setzt auf digitale Rückverfolgungssysteme, Satellitendaten und Zertifizierungen, um die Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erhöhen. Beteiligt sind unter anderem große Röstereien und Handelshäuser, die gemeinsam eine branchenweite Datenplattform aufbauen wollen.
Die Initiative signalisiert einen Paradigmenwechsel in einer Branche, die lange von intransparenten Lieferketten geprägt war. Sollte das System funktionieren, könnte es als Blaupause für andere Rohstoffsektoren wie Kakao, Palmöl oder Soja dienen. Kritiker warnen jedoch vor hohen Kosten für kleinere Produzenten und möglichen Ausschlusseffekten. Die EU-Kommission beobachtet die Entwicklung genau – die Initiative könnte entweder als Vorzeigemodell für freiwillige Branchenlösungen gelten oder als unzureichend kritisiert werden, falls sie Lücken offen lässt.