KNDS-Chef Florian Hohenwarter sucht Werk für Panzerbau – eingespielte Autoindustrie-Mannschaft als Idealvorstellung
KNDS Deutschland steht unter Druck, die Panzerproduktion massiv hochzufahren. Für die Erfüllung Großaufträge der Bundeswehr benötigt der Panzerhersteller dringend neue Fabriken und qualifiziertes Personal. Im Interview skizziert Konzernchef Florian Hohenwarter einen konkreten Weg: Eingespielte Teams aus der Autoindustrie wären für den Ausbau der Fertigung ideal. Die Idee dahinter ist simpel – die Branche verfügt über erfahrene Montageteams, die mit Großserienfertigung vertraut sind und sich vergleichsweise schnell auf die Anforderungen im Rüstungsbau umschulen lassen könnten.
Hohenwarter macht damit ein strukturelles Problem der deutschen Verteidigungsindustrie sichtbar. Die Kapazitäten der bestehenden Werke stoßen bei der aktuellen Auftragslage an ihre Grenzen. Die Bundeswehr hat nach Jahren der Unterfinanzierung und der stockenden Beschaffung ihren Bedarf an neuen Kampfpanzern und Schützenpanzern massiv gesteigert. KNDS, geformt aus dem Zusammenschluss von Krauss-Maffei Wegmann und Nexter Systems, versucht nun, das produzierende Fundament des Unternehmens auszuweiten – nicht durch den Aufbau neuer Belegschaften von Grund auf, sondern durch die gezielte Übernahme fertig eingespielter Kollektive.
Für die deutsche Rüstungswirtschaft deutet sich damit eine strategische Weichenstellung an. Sollte der Transfer von Arbeitskräften aus der Automobilindustrie gelingen, könnte dies als Modell für weitere Kooperationen zwischen zivilen und militärischen Fertigungskapazitäten dienen. Zugleich wirft die Entwicklung Fragen zur Standortpolitik auf – welche Werke kommen für eine Umstellung oder Erweiterung in Frage, und inwieweit ist die Politik bereit, solche Übergänge steuerlich oder regulatorisch zu flankieren. Hohenwarter macht jedenfalls deutlich: Ohne industriepolitische Bewegung wird die Aufrüstung der Bundeswehr an personellen und physischen Engpässen scheitern.