Rohde-&-Schwarz-Chef Leicher bricht Funkstille: Körperscanner an Flughäfen, Aufträge von der Bundeswehr – und nicht alles läuft rund
Christian Leicher, Chef von Rohde & Schwarz, hat erstmals ein ausführliches Interview gegeben und damit die bislang bewusst gepflegte Verschwiegenheit des Münchner Technologiekonzerns durchbrochen. In dem Gespräch räumte der Manager ein, dass Körperscanner an internationalen Flughäfen in vielen Fällen aus dem eigenen Haus stammen – ohne dass Reisende davon wüssten. Die Kerngeschäftsfelder des Unternehmens liegen jedoch woanders: Verteidigungstechnik und elektronische Kampfführung für die Bundeswehr bilden das strategische Rückgrat des Geschäfts.
Rohde & Schwarz gehört zu den größten, aber am wenigsten bekannten Technologiekonzernen Deutschlands. Die Firma stattet Bundeswehr-Einheiten mit hochsensiblen Kommunikations- und Abhörsystemen aus und liefert Messtechnik für die Automobil- und Halbleiterindustrie. Leicher räumte ein, dass nicht alle Projekte im Verteidigungsbereich reibungslos verlaufen – ein bemerkenswertes Eingeständnis für ein Unternehmen, das öffentliche Auftritte und mediale Präsenz traditionell vermeidet. Die Zusammenarbeit mit staatlichen Auftraggebern bringt spezifischen Druck mit sich: strenge Sicherheitsanforderungen, komplexe Lieferketten und politische Abhängigkeiten.
Das Interview markiert eine strategische Kursänderung. Während Rohde & Schwarz jahrzehntelang als Schattenriese operierte, signalisiert der Vorstoß des CEOs wachsende Bereitschaft zur öffentlichen Positionierung. Das könnte Zusammenhang mit zunehmendem Interesse von Investoren, verschärften Compliance-Anforderungen und dem wachsenden politischen Fokus auf technologische Souveränität Deutschlands stehen. Die Frage bleibt, wie sich das Verhältnis zu sicherheitsrelevanten Kunden verändert, wenn der Konzern seine operative Intransparenz Schritt für Schritt abbaut.