Der Ölprinz von Stuttgart: Wie ein deutscher Händler Hunderte Millionen mit russischem Öl nach Kriegsbeginn verdiente
Christopher Eppinger, ein Stuttgarter Ölhändler, nutzte die Verwerfungen an den Energiemärkten nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 offenbar zur Monetarisierung einer seltenen Marktlücke. Laut WirtschaftsWoche soll der 37-Jährige innerhalb weniger Monate einen dreistelligen Millionenbetrag mit dem Export russischen Öls erwirtschaftet haben – zu einem Zeitpunkt, als europäische Unternehmen unter wachsendem Druck standen, sich aus russischen Energielieferungen zurückzuziehen.
Eppinger baute dem Bericht zufolge ein Handelsnetzwerk auf, das Öl aus russischen Häfen über Drittstaaten in globale Märkte lenkte. Seine Firma, die offenbar in einem Stuttgarter Bürokomplex ansässig ist, soll dabei von der Preisdifferenz zwischen sanktioniertem russischem Rohöl und internationalen Marktsorten profitiert haben. Im Gegensatz zu vielen westlichen Konzernen, die sich öffentlich aus Russland zurückzogen oder dies planten, soll Eppinger genau diese Phase als Geschäftschance identifiziert haben. Gegenüber der WirtschaftsWoche äußerte er einem Bericht zufolge kein Bedauern über seine Geschäftspraktiken.
Das Vorgehen wirft Fragen hinsichtlich der Umgehung von Sanktionsmechanismen und der ethischen Grenzen im internationalen Energiemandel auf. Während westliche Regierungen versuchten, Russlands Öleinnahmen zu beschneiden, sollen Handelsstrukturen entstanden sein, die solche Bemühungen unterliefen. Behörden in Deutschland und auf EU-Ebene prüfen laut Branchenkreisen verstärkt entsprechende Handelsflüsse. Für Eppinger selbst scheint das Kapitel russisches Öl noch nicht abgeschlossen: Er soll bereits den nächsten Deal im Ölhandel suchen.