UniCredit übernimmt Commerzbank: Deutschlands letzte Verteidigungslinie bröckelt
Die Aktionäre der UniCredit haben die Übernahmepläne für die Commerzbank formal abgesegnet. Was damit feststeht: Der Weg für den italienischen Bankenriese ist nun offiziell geebnet. Doch hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf, bei dem Berlin zunehmend die Felle davonschwimmen. Die politische Führung in Deutschland erkennt, dass ihre Handlungsoptionen gegen den mächtigen Nachbar aus dem Süden enger werden. Widerstand aus dem Bundestag und im Kanzleramt verliert spürbar an Momentum.
Für Commerzbank-Chefin Bettina Kulany ist die Lage besonders prekär. Internen Berichten zufolge kämpft sie um Einfluss in einem Deal, der längst über ihre Zukunft entschieden hat. Die Coba-Führung steht unter massivem Druck – sowohl von Seiten des neuen Mehrheitseigners als auch einer Belegschaft, die um Arbeitsplätze fürchtet. Bereits 2017 hatte die italienische Großbank zugeschlagen und über den Erwerb von Aktien eine significant Beteiligung aufgebaut. Dieser Schachzug erwies sich als strategischer Langstreckenlauf, der nun in eine Vollübernahme mündet.
Aus institutioneller Perspektive steht Deutschland vor einem Dilemma. Sollte die Commerzbank – einst als Stabilitätsanker für den deutschen Mittelstand und die Exportwirtschaft konzipiert – unter vollständige italienische Kontrolle geraten, verliert Berlin eine zentrale Stütze der nationalen Finanzarchitektur. Die rechtlichen Möglichkeiten der Bundesregierung, den Deal nachträglich zu stoppen, gelten als begrenzt. Ohne formale Vetorechte im Bankensektor, wie sie etwa in der Tech-Branche existieren, bleibt nur der Weg über politischen Druck – und der zeigt zunehmend keine Wirkung mehr.