BioNTech streicht fast 2000 Stellen in Deutschland – Absturz vom Biotech-Wunder zur Normalität
Die Mainzer BioNTech SE steht vor ihrer tiefgreifendsten Krise seit der Gründung. Wie aus Unternehmenskreisen und Berichten der WirtschaftsWoche hervorgeht, plant der einstige Hoffnungsträger der deutschen Biotech-Branche den Abbau von knapp 2000 Stellen in Deutschland – ein Kahlschlag, der das Unternehmen fundamental verändern dürfte. Hinzu kommen Standortschließungen, die insbesondere die Standorte in Deutschland betreffen und das Ende einer Expansionsstrategie markieren, die während der Pandemie noch als beispiellos galt.
Hinter dem Sparkurs steht nicht nur die gesättigte Nachfrage nach COVID-19-Impfstoffen. Wie aus dem Umfeld des Unternehmens zu erfahren ist, haben interne Führungsquerelen die Entscheidungsfindung über Monate blockiert. Auseinandersetzungen im Top-Management über die strategische Ausrichtung – Investitionen in neue Forschungsfelder versus Konsolidierung – verzögerten laut Insidern notwendige Anpassungen. Aus dem einst als Wunder propagierten Biotech-Unternehmen, das mit dem Corona-Impfstoff weltweit Aufmerksamkeit erlangte, wird damit ein Unternehmen, das sich von seinem Gründungsmythos verabschieden muss.
Die Folgen reichen über die Unternehmensgrenzen hinaus. Rheinland-Pfalz und die Stadt Mainz, die sich als Biotech-Standort positioniert hatten, verlieren Arbeitsplätze und öffentliche Aufmerksamkeit. Branchenbeobachter sehen in der Schrumpfung ein Warnsignal für die gesamte deutsche Biotech-Branche: Die Abhängigkeit von einem einzelnen Produkt und das Fehlen einer überzeugenden Pipeline nach der Pandemie könnten auch andere Unternehmen unter Druck setzen. Ob BioNTech seinen Fokus auf Krebsimmuntherapien und andere Forschungsfelder erfolgreich verlagern kann, bleibt abzuwarten.