SPD bremst Dobrindt: Koalitionsstreit um digitale Gegenangriffe und neue Cyberabwehr
Im Koalitionsgeflecht der Ampel entzündet sich ein neuer Konflikt an der Frage, wie weit Deutschlands digitale Verteidigung gehen darf. Bundesinnenminister Nancy Faeser (SPD) will die Befugnisse des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ausbauen, stößt dabei aber auf deutlichen Widerstand aus den eigenen Reihen. Der FDP-Verteidigungsexperte Florian Hahn und Teile der SPD stellen sich insbesondere gegen Pläne für sogenannte „aktive Cyberabwehr“ – also digitale Gegenschläge gegen Angreifer.
Konkret geht es um einen Gesetzentwurf, der dem BSI mehr Handlungsspielraum bei der Abwehr von Hackerangriffen geben soll. Während die Notwendigkeit für verbesserte Abwehrkräfte angesichts zunehmender Cyber-Bedrohungen weitgehend Konsens ist, ist die Methode umstritten. Kritiker wie der SPD-Innenpolitiker Sebastian Hartmann warnen vor einer „Gefahr, bestehende Konflikte zu eskalieren“. Die Sorge: Ein offensiv geführtes Cyber-Vorgehen könnte internationale Spannungen verschärfen und in einen kaum kontrollierbaren digitalen Konflikt münden.
Der Disput offenbart tiefgreifende strategische Differenzen in der Sicherheitspolitik. Während die FDP-Fraktion offensive Maßnahmen als notwendiges Mittel der Abschreckung betrachtet, pocht die SPD auf eine defensive, rein schützende Rolle des Staates im Cyberraum. Diese Blockade innerhalb der Koalition gefährdet nicht nur die geplante Gesetzesnovelle, sondern signalisiert auch eine anhaltende Unsicherheit darüber, welche roten Linien Deutschland im digitalen Raum setzen will. Die Debatte legt den Finger in die Wunde zwischen moderner Bedrohungslage und traditionellen sicherheitspolitischen Grundsätzen.